Es passierte vor meinem 13 Geburtstag

Verständnis oder Hilfe bekam ich, wie viele andere Schleudertrauma Patienten, keineswegs.


Genauso wie andere Menschen habe ich Krankenversicherungs-beiträge bezahlt, und

folglich wie jeder andere auch die bestmögliche Behandlung verdient.


Es ist ein paar Monate vor meinem 13. Geburtstag passiert. Ein Gegenspieler stürzte beim Eishockey bei einem Bodycheck unglücklich auf meinen Kopf, als ich diesen in seine Richtung drehte. Dann hat es gekracht, für ein paar Sekunden war ich bewusstlos, und die obere Halswirbelsäule war kaputt. In der Familie gab es andere Probleme, ich kam in die Pubertät und wurde nicht ernst genommen. Im Laufe der Jahre verursachte die Fehlstellung in der HWS heftige Probleme im gesamten Körper, bis es irgendwann unerträglich wurde. Arztbesuche verliefen erfolglos da die Symptome bekanntlich schwierig zu diagnostizieren sind, somit versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen, weil ich ja jeden Tag so leben musste und zudem andere Herausforderungen zu bewältigen hatte. Verständnis oder Hilfe bekam ich wie viele andere Schleudertrauma Patienten keineswegs, sondern in meinem Fall hauptsächlich Spott und Ausgrenzung, denn genauso wie meine Symptome wurde auch mein Jammern irgendwann unerträglich. Ehrlich gesagt empfinde ich es als alles andere als lustig, wenn sich Menschen über eine erkrankte Person regelrecht amüsieren, ganz egal ob dies eine physische (Sport)Verletzung oder eine psychische Krankheit wie eine posttraumatische Belastungsstörung ist. Denn bislang habe ich noch niemanden kennen gelernt der bereit war, ein HWS Trauma wie meines zu erleben um einfach nur einmal die Erfahrung gemacht zu haben. Dennoch scheinen es viele besser wissen zu wollen wie sich mein Körper anfühlt, obwohl in anderen Lebensbereichen durchaus die Erfahrung eines Menschen wertgeschätzt wird. Vom Gesundheitssystem als Psychosomatiker abgetan zu werden, nur weil diese Erkrankung sehr komplex ist und scheinbar ziemlich schlecht verstanden, hat mir extrem viel Lebensenergie und guten Glauben an System und Gesellschaft geraubt. Die Erfahrungen die ich durch diese Störung machen musste, würde ich in 3 Worten mit Folter, Horror, und Terror beschreiben. Der Verlust an Lebensqualität ist für mich tatsächlich jedoch nicht in Worte zu fassen, selbst wenn die Grenzen meiner Sprache zeitweise auf eine für mich unbegrenzte Welt schließen ließen.

 

Genauso wie andere Menschen habe ich Krankenversicherungsbeiträge bezahlt, und folglich wie jeder andere auch die bestmögliche Behandlung verdient. Aus Erfahrung weiß ich, dass dies nicht belächeln und ignorieren ist, sondern die Fehlstellung in der HWS zu korrigieren, was aufgrund der komplexen Symptome in den meisten Fällen wohl nicht ausreicht, doch zumindest ein guter Anfang ist. Die Behandlung ist alles andere als einfach, sondern ziemlich schmerzhaft und bestimmt auch gefährlich, und somit definitiv alles andere als lustig. Mit Geduld, Beharrlichkeit und einer Portion Glück kann die kaputte Halswirbelsäule wieder ins Lot gebracht werden, und in meinen Augen kann insbesondere der Patient selbst das Risiko eingehen und manipulieren. Wie nervenaufreibend und mühsam dies alles ist, können vermutlich nur Patienten die es selbst erlebt haben begreifen. Schön wäre es verstanden und akzeptiert zu werden, anstatt gesellschaftlich ausgegrenzt, nur weil der Gegenspieler beim Eishockey einen Kopf größer war. Niemand möchte krank sein, und das Verbot jeglicher Form von Diskriminierung steht in Menschenrechtserklärungen in den allerersten Artikeln. Dankeschön an alle die versuchen dieses sehr komplexe Krankheitsbild zu begreifen, und nicht ihren Glauben und ihre Meinung mit arroganter Unwissenheit verwechseln, oder sogar ihre durch moderne Medien genährte Sensationsgeilheit auf Kosten von HWS Patienten befriedigen.                                                                                                                                                   Anonymer Patient